Der Weg der Flasche zum Stoff
Recyceltes Polyester entsteht aus gesammelten PET-Flaschen, nicht aus Textilabfällen. Die Flaschen werden farblich sortiert, gewaschen, zu Flakes geschreddert, geschmolzen und zu Filament extrudiert, das zu Garn gesponnen wird. Chemisch ist das Ergebnis nahezu identisch mit neuem Polyester. Für ein T-Shirt werden etwa zehn Flaschen benötigt.
Der heikle Punkt liegt im ersten Satz. Ein als recycelt verkauftes Kleidungsstück wird meist aus Abfällen der Getränkeindustrie hergestellt, nicht aus Altkleidung. Das bedeutet, dass keine Textil-zu-Textil-Kreislaufwirtschaft stattfindet und die Flasche einem System entzogen wurde, das sie bereits wiederholt recycelt hätte. Bewusst ausgeschlossen sind spezifische Markenbehauptungen: Die Nennung von Unternehmen oder die Wiedergabe von Marketingsprache würde eine Materialkunde in eine Anschuldigung verwandeln, die die Institution dann verteidigen müsste.
Der Workflow umfasst acht Szenen: zwei zur Sammlung und Sortierung, zwei zum Waschen, Schreddern und Schmelzen, eine zur Extrusion und Spinnerei, eine zum Vergleich der Faser mit neuem Polyester, eine zum Flasche-zu-Textil-Problem und eine zum Stand von chemischem Recycling und Textil-zu-Textil-Kreisläufen.

